2017-07-27

KOLUMNE: BIST DU ÖFTER HIER?

Seit einigen Wochen bin ich Kolumnistin der Familienseite des Redaktionsnetzwerkes Deutschland. Die Kolumne erscheint monatlich in verschiedenen Publikationen des RND: Neue Presse (Hannover), Märkische Allgemeine, Ostsee-Zeitung, Lübecker Nachrichten, Leipziger Volkszeitung, Lübecker Nachrichten u.a...
Etwas zeitversetzt poste ich den Text auch immer hier posten. Zur allgemeinen Erheiterung werde ich die Kolumne hier mit gifs anreichern. Heute: Bist du öfter hier?


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Die Oma ist da. Wir haben das Glück, dass beide Omas tolle Omas sind, die gerne aufpassen und immer da sind, wenn wir sie brauchen. Eine der Omas ist also da und das nicht ohne Grund. Wir sollen mal ausgehen. Zu zweit. So ganz für uns. Das ist wichtig. Das sagen sie ja alle. Nehmt euch auch Zeit als Paar. Hat man ja nicht mehr, wenn man sich nur noch über die Menge der getrunkenen Milch, die Dauer des Mittagsschlafs und Farbe und Konsistenz des Stuhlgangs unterhält.


Ich bin schon zwei Tage vorher sehr aufgeregt. Was passiert, wenn das Kind plötzlich in ein Fieberdelirium fällt und wir sind nicht da? Oder, wenn es – mit knapp vier Monaten völlig unerwartet – plötzlich Zähne bekommt, alle auf einmal, an einem Abend und wir sind nicht da? Vor der Geburt habe ich mich für eine super lässige Mutter gehalten, die mit wehenden Fahnen jeden freien Abend herbeisehnt und genießen kann. Jetzt bin ich die, die der Oma – einer Kindergartenleiterin – erläutert, was man tun muss, wenn ein Kind hungrig ist.
Nachdem ich alles ungefähr fünfmal erklärt habe, können wir endlich los. Zur Sicherheit bleiben wir in unserem Viertel. Essengehen und Kino stehen auf dem Plan. Im Restaurant bestellt der Mann einen Ingwer-Drink mit Alkohol und ich ein Malzbier – gut für die Milchproduktion. Ich kann das Baby vielleicht zuhause lassen, aber aus dem Kopf bekomme ich es nicht.


Dann schweigen wir uns an. „Und“, sagt der Mann irgendwann, „bist du öfter hier?“ „Nee, ist ja erst neu eröffnet“, sage ich. „Wärest du mein Tinder-Date, hättest du jetzt schon verloren“, sagt er. „Du auch, wenn du so dumme Fragen stellst“, lache ich. Was erzählt man sich, wenn man seit neun Jahren ein Paar und seit vier Monaten Eltern ist? „Das war so süß vorhin, wie er ganz vorsichtig vor sich hin gebrabbelt hat“, sagt der Mann. Und dann reden wir bis zum Dessert über all die niedlichen Dinge, die das Kind so machen kann.


Beim Bezahlen vibriert mein Handy: „Es schläft.“ Kein Fieberdelirium, keine Zähne, nur Schlaf. Alles easy. Das Baby ist genauso gechillt wie es gerne wäre. Und dann sitzen wir 120 Minuten im Kino, ohne auf das Handy zu schauen. Dafür highfiven wir am Ende und laufen dann ganz schnell nach Hause, das niedliche Kind anstarren.

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